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Die deutsche Delegation auf der 20. Vertragsstaatenkonferenz der OVCW Bild vergrößern Die deutsche Delegation während der 20. Vertragsstaatenkonferenz im Weltforum, Den Haag (© OPCW)

Wer kennt sie nicht – die Bilder aus den Nachrichten von den internationalen Konferenzen. Flaggen, symbolisches Händeschütteln, Lächeln für die Fotografen. Und dann gehen die Türen zu. Die Ergebnisse werden später auf einer Pressekonferenz verkündet. Was wohl hinter den geschlossenen Türen passiert?

Letzte Woche ging ein Traum für mich in Erfüllung. Als Praktikantin in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW), durfte ich mit hinter die geschlossenen Türen. Ich hatte die Möglichkeit bei der 20. Vertragsstaatenkonferenz der OVCW dabei zu sein. An der einmal im Jahr stattfindenden Konferenz nehmen alle Mitgliedsstaaten der OVCW teil, insgesamt 192. Aus dem Kreis der Mitglieder der Vereinten Nationen sind nur Ägypten, Israel, Südsudan und Nordkorea dem Chemiewaffenübereinkommen noch nicht beigetreten.

Die ersten Tage waren geprägt durch die sogenannte Generaldebatte, bei der die Vertreter der nationalen Delegationen ihre Reden halten. Für die deutsche Delegation hat die stellvertretende Beauftragte der Bundesregierung für Fragen der Abrüstung und Rüstungskontrolle, Susanne Baumann, die Rede gehalten. Wichtige Themen waren Syrien, die Universalität des Chemiewaffenübereinkommens, der Etat der OVCW, die Gedenkfeiern zum ersten massiven Einsatz chemischer Waffen in Ypern und die ethischen Leitlinien für Chemikerinnen und Chemiker, die auf eine deutsche Initative zurückgehen. Es war spannend so viele erfahrene Redner zu sehen und Seite an Seite mit Diplomaten zu sitzen. Trotz der ernsten Themen und der hochrangigen Teilnehmer herrschte eine entspannte Atmosphäre. Mehr als einmal ertönten fremdländische Handyklingeltöne.

Am dritten und vierten Tag ging es um inhaltliche Entscheidungen. Die Mitgliedsstaaten mussten unter anderem dem Etat der Organisation und der Schaffung eines neuen Beratungsorgans zustimmen.

Zusätzlich zu der Konferenz gab es viele interessante Side – Events. Diese wurden von verschiedenen Delegationen, Mitarbeitern des Technischen Sekretariates der OVCW oder NGO’s veranstaltet. Auch die Ständige Vertretung hat ein Side – Event zu den Ethischen Richtlinien organisiert. Die Side – Events dienen dazu, über Themen zu informieren, die während der Generaldebatte nicht so ausführlich angesprochen werden können.

Der vorletzte Tag war nochmal sehr spannend. Am Ende wird ein Bericht über die Konferenz verabschiedet. Dem müssen alle Vertreter zustimmen. 192 Diplomaten die sich auf einen Text einigen. Manchmal wird um jedes Wort gerungen. Botschafter Israng hatte zusätzlich einen Text über die Ethischen Leitlinien eingebracht. Dann hieß es Daumen drücken. Es war ein großer Erfolg, dass der Text ohne Änderungswünsche so verabschiedet werden konnte. Das ist natürlich nicht von alleine passiert. Erst viele Einzelgespräche im Vorfeld konnten diesen Erfolg sichern. Bei einigen dieser bilateralen Gespräche konnte ich dabei sein.

Den Eindruck den die Nachrichtenbilder oft vermitteln, von entspannten Zusammentreffen und reich gedeckten Tischen ist nur die Hälfte der Wahrheit. Die Realität sind lange Sitzungstage und Sandwiches. Als sich die Türen hinter mir schlossen, lag eine arbeitsintensive und spannende Woche hinter mir. Ich bin dankbar, dass ich dabei sein durfte.